Der Ober-Classe zehntes Prob-Stück. Erlaͤuterung. §. 1. DJe erste Zeile dieses Stuͤckes spielet man nur mit Octaven im Baß, und loͤset die Septime ein wenig zierlicher auf, als gewoͤhnlich. Nach Verfliessung zweer Taͤcte, in der andern Zeile, koͤmmt der Haupt-Satz wieder vor; jedoch veraͤndert, wobey sonst nichts besonders zu bemercken. Jm siebenzehnden Tact wolle man aber den daselbst anhebenden Lauff wol in Acht nehmen, und sich denselben fest eindruͤcken, weil ihn die rechte Hand hernach gebrauchen wird. §. 2. Bey dem ein und zwantzigsten Tact faͤllt der Haupt-Satz in die Repercussion der Quint, wobey abermahl, wann es nur fein rein gespielet wird, nichts buntes noͤthig ist. So dann hat man im sechs und zwantzigstes Tact den oberwehnten Lauff in der rechten Hand, gleich mit dem Schlag der Septime in die Quint anzubringen, und damit drey Tacte, bey vollen Griffen des Basses, fort zu fahren. Vom neun und zwantzigstes bis zum zwey und dreyßigsten Tact wird so starck geschlagen, und zu jeder Note das gehoͤrige so vollstimmig angebracht, als nur immer moͤglich ist. Will man die geschwinde Brechung mit beiden Haͤnden um einander hier gebrauchen, wird es nicht schaden koͤnnen. §. 3. Der drey und dreyßigste Tact hebt eine neue Erfindung an, und erfordert, daß die rechte der lincken auf canonische Art, daß ist, Note vor Note, nachfolge, wenn diese erst drey Schritte vorausgenommen hat: und damit waͤhret es bis zum sieben und dreyßigsten Tact, allwo die im dreizehnten Tact vorgewesene Wendung, gleich als ein Zwischen-Spiel, durch die Quart wieder angebracht werden kann. §. 4. Nach Verfliessung vier Mensuren ergreifft der Bass abermahl den vorerwehnten Lauff in der Versetzung, welchen man sich gleicher Gestalt wol zu mercken hat: weil er hernach nocheinmahl in der rechten Hand zu gebrauchen sein wird. Etwa im sechs und vierzigsten Tact ersieht man das erste Thema und zwar auf eine zweite Art veraͤndert, wobey zu beobachten, daß die Septime und ihre Aufloͤsung auf dieselbe Weise veraͤndert und gebrochen werden koͤnnen, wie aus beygesetztem mit mehrerm zu ersehen ist: §. 5. Nach diesem Satz kommt der offtgemeldete Lauff mit der rechten Hand gleich zu dem grossen C in der Quinte vor, und wird damit biß in den vierten Tact fortgefahren; jedoch, wie alle Zeit geschehen muss, mit vollstimmigen Griffen im Baß. §. 6. Zum Beschluß folget was schon im neun und zwantzigsten biß zwey und dreyßigsten Tact gewesen, und wird mit allen Kraͤfften, so vollstimmig als muͤglich, auch wol durch die Brechung mit beiden Haͤnden, gespielet. Was dieser Brechung eigentlichen Gebrauch betrifft, angesehen dieselbe ein großes Geraͤusche mache, und die durchdringenste Art zu spielen auf dem Clavier ist, so muß dieselbe nirgend anderst, als in vielstimmigen Sachen, wie da sind, starcke Concerten, Ouverturen, Symphonien und Choͤre, angebracht werden, zumahl wo ein forte und tutti stehet; denn sonst wuͤrde alles dadurch gar leicht uͤbertaͤubet und verdorben werden. Statt anzufuͤhrender Sachen aus fremden Verfassern kan folgende Arie dienen. Jch lasse diese recht schoͤne Arie aus verschiedenen wichtigen Ursachen hier einfliessen: (1) damit sich einer druͤber mache, und selbige solmisire; (2) weil ♭D, ♭G, ♭C und ♭F haͤuffig darinn vorkommen; (3) weil der letzte Theil beides im Dis mol und Gis mol theils moduliert, theils absetzet; (4) weil es einen grossen Meister erfordert, diese Arie, ohne Bezieferung, richtig zu accompagniren: massen dem siebendem, achten, neunten und zehnten Tact keiner ihr Recht thun wird, der nicht aus dem drey sechtzigsten und folgenden ersehe, wie jene muͤssen behandelt werden; und (5) weil auf der vorhergehenden Seite, im andern Tact der zweiten Zeile, in der Sing-Stimme und denn im zehnten und dreizehnten Tact des letzten Theils, das erstemahl pag. 358 tact. penult. uͤber der Sylbe ne, das andermahl pag. 359 tact. 2. uͤber der Sylbe ven ein Intervallum vorkoͤmmt, das unter die sogenannte gebraͤuchliche wol eben nicht zu zehlen ist, und dennoch weiset, wie sich ein geschickter Meister dessen wol bedienen koͤnne. Es ist eine kleine None in Ansehung der Grund-Stimme, und ich gestehe es gerne, die erste, die ich damahls, in einer Melodie, auf solche Art, gefunden oder auch brauchbar geglaubet habe. So ist auch der Schluß des ersten Absatzes in die Septime etwas merckwuͤrdiges, und nichts alltaͤgliches; dass sie mich aber deswegen sonderlich entzuͤcken sollte, zumahl, wann ich die Wiederholung betrachte, kann ich eben nicht sagen: doch jeder hat seinen Geschmack.