Der Ober-Classe elftes Prob-Stück. Erlaͤuterung. §. 1. WJe wird dem Herrn Organiste zu Muthe? Es siehet hier ein wenig bunt wieder aus; hat aber so viel nicht zu sagen, als man meynet. Das Ding laͤst sich halten, wenn mans nur recht uͤbersiehet; es faͤllt ja alles so schoͤn in die Hand, daß es eine Lust ist. Nur frisch daran; wer wagt, der gewinnt; um eine Probe ist es zu thun. Der Thon ist ja bekannt, der Tact drey Viertel, die Schluͤssel nichts, als Bass, Tenor und Alt; warum sollte man sich dafuͤr fuͤrchten? Wiewol ich erinnere mich, der Herr spielt nicht gern nach gedruckten Noten; es ist wahr, wenn man es nicht gewohnt; das Papier scheinet auch etwas durchzuschlagen; er nehme es mit nach Hause, und lasse es rein abschreiben, das Ding verdienet es wol; es hat einer gemacht, von dem der Herr gehoͤret, er koͤnne oder wolle auch ja componiren; morgen kommen wir wieder zusammen. §. 2. Als ungefaͤhr wuͤrde ich, oder ein andrer, mit einem unmusicalischen Organisten reden muͤssen; einem andern ehrlichen Mann aber koͤnnte zur Nachricht dienen, daß man gerne saͤhe, wenn beide Haͤnde Tertzen auch wol bißweilen, wo es die Harmonie erfordert, Quarten-Weise mit einander zu gleicher Zeit, die drey ersten Taͤcte spielten, da sich denn dabey von selbsten aͤussern wird, wo ein 6 oder 6-4 mit zu greiffen. Unser Absehen vom vierten bis sechsten Tact gienge auch wol unmaßgeblich dahin, daß die Accorde und uͤberstehende Zieffern bloß in der lincken Hand blieben, die rechte aber ein wenig dazu moduliere, etwa folgender Gestalt: So auch im ersten und andern, Item im 18., 19. und 20sten Tact des andern Theils. §. 3. Der siebende, achte und neunte Tact haben ihre geweisete Wege; der zehnte, elffte und zwoͤlffte aber richten sich nach dem Anfang: es sind auch eben dieselben Noten. Biß zum Ende des ersten Theils ist sonst weiter nichts zu erinnern, als daß der achtzehnte und neunzehnte Tact mit schlechten Schlaͤgen, ohne den geringsten Zierrath gespielet werden. Jm dritten, vierten und fuͤnffte Tact des andern Theils gehet es wieder auff die zuerst-beschriebene Weise, mit beiden Haͤnden, durch gebrochene Accorde und Harmonien; Ein paar Taͤcte will ich doch auch davon hersetzen, woraus das uͤbrige, nach Maßgebung des Basses, ferner zu beurtheilen seyn wird. Dieses faͤnget vom dritten Tact des andern Theils an. §. 4. Der zehnte Tact des letzten Theils will in der rechten Hand mit der Sext und Quinte ein solches Brechen haben, als die lincke im vorhergehenden gefuͤhret hat. Jm zwoͤlfften findet es abermahl statt. Jm dreizehnten und vierzehnten auch; doch also: Welche Brechung allerdings eine der leichtesten ist, die gefunden werden mag. §. 5. Man siehet nun solcher Gestalt wol, daß im fuͤnff und zwantzigsten und sechs und zwantzigsten Tact es eben auch so angehet, und dass im neun und zwantzigsten wiederum die erste Art vorfaͤllt. Vom vier und dreyßigsten aber biß an den acht und dreyßigsten kann die rechte Hand gar manierlich moduliren, indem die lincke alle Ziefern abfertiget; und das moͤgte ohngefehr so angehen: Jnwischen soll dieses alles niemand so wol zur Vorschrift, als zur Aufmunterung und zum Exempel dienen, damit es noch immer besser und wohlklingender herauskomme.