Der Ober-Classe siebenzehntes Prob-Stück. Erlaͤuterung. §. 1. DA andere Tone zum Klagen, zum Lachen, zum Jauchzen, zur Andacht, und ſo ferner, gemacht zu ſeyn ſcheinen, ſo hat es faſt das Anſehen, als wenn die- ſer inſbesondere zum Spielen und badiniren geſchickt ſeyn wollte. Ein Violiſte wird ihn gar gerne ſehen, und vieles finden, daß mit ſeinem Instrument ſympathiſiret, und wer der Traverſiere maͤchtig iſt, muß dieſen Modum nicht wenig hochhalten, weil er einer der bequemſten iſt, der Flöte ihr rechtes Luſtre zu geben; ob aber ein Hautbois oder Basson ſo wohl damit zu frieden, daran iſt zu zweifflen. Jndeſſen, da es unſerm accompagneur einerley ſeyn muß, aus welchem Ton er ſpielet, weil die eine Clavis (verſtehe die Eintheilung des Cla- viers) keinen ſtaͤrckeren Finger erfordert, als die andere, ſo wollen wir dieſes Exempel vielmehr ein wenig durchgehen, als uns laͤnger bey des Tones Eigen- schafft aufhalten. §. 2. Die erſten zwey Taͤcte nun ſaͤhe man gerne gantz simple geſpielet, ſo daß das Subjectum vernehmlich heraus kaͤme, zu folge dem in der Natur und Vernunfft ge- gegruͤndeten Principio: Daß aller Anfang ſchlecht und deutlich iſt, und auch ſeyn muß. Durch das ſimple Spielen wird hauptſaͤchlich verlanget, daß zu jeden ſechs Noten in beſagten Taͤcten nur einmahl mit der rechten Hand vor- und zugeschlagen werde, wobey erinnerlich ſeyn mag, daß der Vorſchlag die Pauſe angehet. §. 3. Die folgenden drey Taͤcte ſpielet man mit den Ziefern aufs accurateſte, und ſchlaͤgt bey jedem Achtel das Gehoͤrige an; Wiewohl ſich einer, im letzten Tact dieſer drey, vorzusehen hat, daß er bey der 4+ nicht die ſonſt gewoͤhnliche Se- cunde mit ergreiffe, ſintemahl ſolches unmuͤglich ohne Schnitzer abgehen wuͤrde, ſondern er laſſe an deren Statt die ſchon in der Hand habende 8 wieder hoͤren, ſo wird solcher Satz wegen der 4+ gantz fremd klingen. §. 4. Was ferner Tactum 6, 7, und die Helffte des achten betrifft, ſo kan man ſich ſchon dabey ein wenig mehr Freyheit nehmen, und ſolche nicht nur mit verdoppelter Octave in der lincken Hand spielen, ſondern auch in der rechten ſtatt einmahl, wohl dreymahl zu je 6 Noten das in Haͤnden habende oder bezeich- nete anſchlagen. Der Reſt des achten, ſammt dem neunten Tact, haben ihre geweiſte Wege. §. 5. Der fuͤnffzehnte Tact gibt ſchon, wegen der ſchlechten Noten Nachdencken und Anlaß, nach Belieben (nicht daß es eben ſeyn muß) das Subjectum in der rechten Hand, mit eben den Noten womit der Anfang gemacht, zu ergreiffen; jedoch daß die lincke Hand, wie einmahl vor allemahl geſagt, nicht vergeſſe, vollſtimmig dabey anzuschlagen, damit, auch bey dem Alleinſpielen, der Cha- ractere des General-Baſſes nicht ausgeſetzet, ſondern nur embellirt werde, wie deſſen oben an verſchiedenen Orten ſchon ſattsame Erinnerung geſchehen. §. 6. Bey dem elfften Tact kan zwar die rechte Hand, wie ſie angefangen, mit Tertien continuiren, der Baß auch doppelt geſchlagen, doch muß nicht vergeſ- ſen werden, daß man mit der rechten Hand, bey jeder erſten Note von ſechs zusammen gezognen, allemahl vollgreiffe. §. 7. Anlangend den zwoͤlfften, dreyzehnten und vierzehnten Tact, ſo reſpirirt man ſich gleichſam dabey etwas weniges, und machet nach Belieben was ſich ſchicken will, oder auch gar nichts, als was da ſtehet. Bey dem funffzehnten und ſechzehn- ten aber wird einer ſchon ſehen, daß die rechte Hand wieder zu thun haben kan, nur wird es am Anfang liegen, welcher nach einer mit der vom d gemacht werden muß, alsdann das uͤbrige von ſelbsten, nach Maßgebung des Subjecti, in Ter- Tertien mit dem Baß folget, deſſen Schlaͤge doch alle vollſtimmig ſeyn muͤſſen, und iſt ſonſt, biß zum Schluß des erſten Theils, nichts ſonderlichs mehr zu erinnern, außer dieſem, daß man die dreygeschwaͤntzte Noten in der rechten Hand auch Tertien-weis mit lauffen laͤſt. §. 8. Daß nun der andere Theil einen neues Thema anzufangen ſcheinet, ſolches geſchiehet aus Liebe zur Abwechſlung, und darff man jeder Note ihren gehoͤrigen Schlag geben, auch den Baß dabey ſo ſtarck, als es ſeyn kan, angreiffen, welches ſonderlich auf dem Cis, und chromatiſchen ſonis guten Effect thut. Die ſechs ſechs hinauflauffende Noten im andern, it. die ſechs heruntergehende im vierdten und fuͤnfften Tact, wolle man von dem oͤfftern Zuschlagen ausnehmen, und distinctè Octaven-weiß hoͤren laſſen; ſodann ergreifft der Baß wieder das erſte Subjectum und verfaͤhrt damit nach Anleitung §. 4. §. 9. Jm neunten Tact dieſes andern Theils gehet es wieder ſtarck uͤbers gantze Clavier zu jeder Note her; bey der letzten Helffte aber kan die rechte Hand eine, dem Themati gleichende, beſaͤnfftigende Manier anbringen, die einem Studie- renden und Nachdenckenden die Natur des Ganges ſelbſt zeigen wird, und damit hat es bis zum Ende des dreyzehnten Tacts ſeine Richtigkeit, allwo der erste Sub- jectum in der ordentlichen Repercuſſion vorkoͤmmt, wie es im ſechsten und fol- genden Taͤcten des erſten Theils geweſen iſt, weßhalben man auch nur §. 4. hiebey zu Rathe ziehen, und der daſſelbſt gemachten Anmerckung genau folgen darff. §. 10. Noch iſt bey der letzten Helffte des ſechszehnten Tacts eine kleine Invaſion mit der rechten Hand, auf eben den Schlag, wie im erſten Theil, Tactu 10, geſche- hen, anzubringen; es muß aber auch das uͤbrige §. 5. dabey erforderte bis im acht- zehnten Tact wohl in acht genommen, und kan ſodann, wie alles ſtehet, ferner geendiget werden: wobey ſich jedoch niemand die penultimo vorkommende 9. und 7. wolle choquiren laſſen, weil es Griffe ſind, die juſt vorhergegangen, und durch die 6⃥ wieder fromm und gut werden.