Der Ober-Classe achtzehntes Prob-Stück. Vid. Taglietti Opera VIII. Concerto XI. Giuſeppe Valentini Opera V. Sonata IX. chiamata: La Chilarducci. Arcangelo Corelli Livre premier, Suite IV. Livre II. Suite XVIII. Giovanni Moſſi, Sonata XI. und unzehlige mehr. Erlaͤuterung. §. 1. Jm erſten Tact wird zu den beiden erſten Noten angeſchlagen; zu den uͤbri- gen aber nicht. Jm andern Tact ſchlaͤgt man zu keiner Note; auſſer zu der erſten. Jm dritten ebenfalls; im vierten aber wieder zu den beyden erſten. §. 2. Jm fuͤnfften Tact wird nur zu der erſten und achten Note das Gehoͤrige und ſpecificirte angeſchlagen. Jm ſechſten Tact auch alſo. Jm ſiebenden ſtehet wohl zu mercken, daß die 6⃥ ſo uͤber der letzten Note befindlich, bey dem vorhergehen- dem h ſchon angeſchlagen und anticipiren muͤſſe. Jm achten Tact macht die rechte Hand mit dem fis und h daſjenige, was der Baß anfangs mit h und e hat hoͤren laſſen. Jm neunten continuiret ſolches mit h und gis zu E, mit h und fis aber zu dis. Jm zehnten geht es wieder wie im fuͤnfften. Jm elfften aber nim̃t die rechte Hand das Subjectum, und faͤngt mit e cis an, hernach e h, denn e a, darauf e gis, zuletzt e fis, ſo wie die vier erſten Tacte des Prob- Stuͤckes von Note zu Note heiſſen. §. 3. Mit folgenden ſechszehnten, ſiebenzehnten und achtzehnten Taͤcten ver- faͤhret man wie mit dem fuͤnfften, und wo das Tenor-Zeichen die Repercuſſion des Thematis anhebet, eben wie mit dem Anfang. Jm acht und zwantzigſten Tact iſt zu mercken, daß die rechte Hand daſelbſt nebſt der Sexte, welche liegen bleibet, zu jeder Note die Tertie mit anſchlage. Weiter wolle man den ſieben und dreyßigſten und acht und dreyßigſten Tact in acht nehmen, und dazu eben das ſpielen, was der Baß in den beyden vorhergehenden Taͤcten gehabt hat; doch alſo, als als wenn nun ein niedriger Diſcant-Schluͤſſel davor ſtuͤnde. Die folgenden vier Taͤcte, biß zum Schluß des erſten Theils, werden gantz ſtarck, mit Zuſchlagung zu je- der Note, angegriffen, und vollſtimmig abſolvirt. §. 4. Es ſtehet wohl zu beobachten, daß im andern Tact des andern Theils die erſte Note durchgehet, welches ſelten alſo vorfaͤllt, und vom Judicio de- pendiret, da einer beobachten muß, auf welche Note die Emphaſis oder der Ac- cent faͤllt, welches hier nicht auf die erſte, ſondern auf die andere geſchieht, weil ſelbige im ſteigen die letzte, und der Anfang eines neuen Ganges iſt. §. 5. Bis an den ſieben und zwantzigſten Tact dieſes Theils faͤllt weiter nichts zu erklaͤren oder zu erlaͤutern vor; ſondern es muß allhier wieder das erſte Subjectum, und zwar erſt- lich mit fis cis, hernach mit fis dis zum H, ſodann mit fis cis wieder zum B, und ſchließlich mit fis h, als der Septime zum Gis, welche durch f und h re- ſolviret wird, angebracht und durchgefuͤhret werden. §. 6. Bey dem ein und dreißigſten Tact kommt der Satz wieder, ob wohl in andern Tonen, der im erſten Theil Tactu 37. & ſeqq. geweſen, da man denn nur hier ebenfalls weiter nichts zu thun hat, als daß man mit der rechten Hand dieſelben Noten, die der Baß vorher geſpielet, nachſchlage, wiewohl auf die vorige Art, als ob ein niedriger Diſcant-Schluͤſſel davor befindlich waͤre. Die folgenden vier oder fuͤnff Taͤcte kann man fuͤglich Tertien-weis, ohne weiteres Zuthun, durgehen laſſen, und endlich wird der Beſchluß mit einer abermahligen Repercuſſion des Subjecti in der rechten Hand alſo gemacht: Wobey jedoch unauſbleiblich die lincke Hand alles auf das vollſtimmigſte an- ſchlagen muß, welches je und allewege feſt geſetzet wird. §. 7. Sonſt habe mit Fleiß die gantze Paſſage hieher bringen wollen, damit, wenn in den vorigen Beſchreibungen etwann einem oder andern etwas dunckel ſcheinen moͤchte, es alles mit einander aus dieſer Probe illuſtriret und deutlicher gemacht werden; ſintemahl es wohl dabey bleibet, daß, wer einer Sa- che kundig iſt, dieſelbe natuͤrlicher Weiſe nicht ſo klar fuͤrzutragen geſchickt ſey, als es wohl offt einem Unkuͤndigen noͤthig; Dahero niemand zu verſtaͤndlich im Unter- richt ſeyn kan, ſo daß auch wol gar eine kleine Weitlaͤuffigkeit und Wie- derholung nicht gleich zu tadeln, dafern ſie ihr Abſehen auf die Deutlichkeit ge- richtet hat. §. 8. Es hat der beruͤhmte Herr Capellmeister Telemann neulich 6 Concerte heraus- gegeben, und gar ſauber in Kupffer ſtechen laſſen, die der weyland Durchlauchtige Hertzog von Sachſen-Weymar mit eigner Hand, und aus eigener Invention componiret hat, in ſelbigen iſt das Concerto V. aus obigem Ton, und eins der ſchoͤnſten. Einen ſouverainen Fuͤrſten zu finden, der ein Autor Muſicus, und allegirt werden kan, iſt ſonſt eine Sache die nicht alle Tage auffstöſſet, der edlen Muſique aber eine ſonderbare Avantage giebt. Siehe die Vorbereitung. Hanc Reges olim & ſummi Principes didicere; hanc publice & privatim exercuere , wie Marcus Meibom. in Dedic. antiqu. Muſ. ad Reginam Chriſtinam ſagt. Vid. Vival- di Opera Terza, Lib. II. Concerto ultimo del l'Eſtro Armonico.