Der Ober-Classe achtzehntes Prob-Stück. Erlaͤuterung. §. 1. Jm erſten Tact wird zu den beiden erſten Noten angeſchlagen; zu den uͤbrigen aber nicht. Jm andern Tact ſchlaͤgt man zu keiner Note; auſſer zu der erſten. Jm dritten ebenfalls; im vierten aber wieder zu den beiden erſten. §. 2. Jm fuͤnfften Tact wird nur zu der erſten und achten Note das Gehoͤrige und Verzeichnete angeſchlagen. Jm ſechſten Tacte auch alſo. Jm ſiebenden ſtehet wol zu mercken; daß die 6⃥ ſo uͤber der letzten Note befindlich, bey dem vorhergehendem h ſchon angeſchlagen muͤſſe. Jm achten Tact macht die rechte Hand mit dem fis und h daſjenige, was der Baß anfangs mit h und e hat hoͤren laſſen. Jm neunten ſetzet man ſolches mit mit h und gis zum E, mit h und fis aber zum Dis. Jm zehn- ten gehet es wieder wie im fuͤnfften. Jm elfften aber nimmt die rechte Hand den Haupt-Satz, und faͤngt mit e cis an, hernach e h, denn e a, darauf e gis, zu- letzt e fis, ſo wie die vier erſten Tacte des Prob-Stuͤckes von Note zu Note heiſſen. §. 3. Mit folgenden ſechszehnten, ſiebenzehnten und achtzehnten Taͤcten verfaͤh- ret man wie mit dem fuͤnfften, und wo das Tenor-Zeichen die Verſetzung des Haupt-Satzes anhebet, eben wie mit dem Anfange. Jm acht und zwantzigſten Tact iſt zu mercken, daß die rechte Hand daſelbſt nebſt der Sexte, welche liegen bleibet, zu jeder Note die Tertz mit anſchlaͤget. Weiter wolle man den ſieben und dreiſſigſten und acht und dreiſſigſten Tact in acht nehmen, und dazu eben das ſpielen, was der Baß in den beiden vorhergehenden Taͤcten gehabt hat; doch alſo, als als wenn nun ein niedriger Diſcant-Schluͤſſel davor ſtuͤnde. Die folgenden vier Taͤcte, biß zum Schluß des erſten Theils, werden gantz ſtarck, mit Zuſchlagung zu je- der Note, angegriffen, und vollſtimmig zu Ende gebracht. §. 4. Es ſtehet wol zu beobachten, daß im andern Tact des andern Theils die erſte Note durchgehet, welches ſelten alſo vorfaͤllt, und auf des Spielers Verſtand ankoͤmmt, da einer beobachten muß, auf welche Note der Nachdruck, oder der Ac- cent faͤllt, welches hier nicht auf die erſte, ſondern auf die andere geſchieht, weil ſelbige im ſteigen die letzte, und der Anfang eines neuen Ganges dabey vermacht iſt. §. 5. Bis an den ſieben und zwantzigſten Tact dieſes Theils faͤllt weiter nichts zu erklaͤren oder zu erlaͤutern vor; ſondern es muß allhier wieder der erſte Haupt-Satz, und zwar erſtlich mit fis cis, hernach mit fis dis zum H, ſodann mit fis cis wieder zum B, und ſchließlich mit fis h, als der Septime, zum Gis, welche durch f und h aufgeloͤſet wird, angebracht und durchgefuͤhret werden. §. 6. Bey dem 31ſten Tact des andern Theils kommt der Satz wieder, ob wol in verſchiedenen Tonen, der im ſieben und dreiſſigſten Tact des erſten Theils geweſen: da denn nun hier ebenfalls weiter nichts zu thun iſt, als daß man mit der rechten Hand dieſelben Noten, die der Baß vorher geſpielet, nachſchlage, wiewol auf die vorige Art, als ob ein niedriger Diſcant-Schluͤſſel davor befindlich waͤre. Die folgen- den vier oder fuͤnff Taͤcte kann man fuͤglich Tertzen Weiſe, ohne weiteres Zuthun, durgehen laſſen, und endlich wird der Beſchluß mit einer abermahligen Verſe- tzung des Haupt-Satzes in der rechten Hand alſo gemacht: Wobey jedoch unauſbleiblich die lincke Hand alles auf das vollſtimmigſte anſchla- gen muß, welches je und allewege feſt geſetzet wird. §. 7. Sonſt habe mit Fleiß den gantzen Vorfall hieher ſetzen wollen, damit, wenn in den vorigen Beſchreibungen etwa einen oder andern etwas dunckel ſcheinen moͤg- te, es alles mit einander aus dieſer Probe erlaͤutert und deutlicher gemacht wer- den koͤnne; ſintemahl es wol dabey bleibet, daß, wer einer Sache kundig iſt, dieſelbe natuͤrlicher Weiſe nicht ſo klar vorzutragen geſchickt ſey, als es wol offt einem Un- kundigen noͤthig waͤre: dahero niemand zu verſtaͤndlich im Unterricht ſeyn kann, ſo, daß auch wol gar eine kleine Weitlaͤuffigkeit und Wiederholung nicht gleich zu tadeln iſt, dafern ſie ihr Abſehen auf die Deutlichkeit gerichtet hat. §. 8. Es hat der beruͤhmte Herr Telemann ehemals ſechs Concerte herauſge- geben, und gar ſauber in Kupffer ſtechen laſſen, die der weiland Durchlauchtige Printz Ernſt, von Sachſen-Weymar, mit eigener Hand, und aus eigener Erfindung geſetzet hat: in ſelbigen iſt das Concerto V. aus obigem Ton, und eins der ſchoͤnſten. Freie Fuͤrſten zu finden, die muſicaliſchen Schriften verfaſſen, und angefuͤhret werden koͤnnen, iſt ſonſt eine Sache, die nicht alle Tage aufſtoͤſſet; der edlen Muſic aber einen ſonderbaren Vortheil giebt. Neun-