Der Ober-Classe neunzehntes Prob-Stück. Erlaͤuterung. §. 1. Hier moͤgte nun wohl ein wenig Tactirens noͤthig ſeyn, zumahl fuͤr einen, der nicht feſt im Sattel ſitzt. Jch zweifle aber, ob ein ſolcher ſelber ſchlagen, oder ſich den Tact lieber vorſchlagen laſſen wolle. Das letzte waͤre meines Erachtens, das beſte, ſo koͤnnte man mit mehrer Aufmerckſamkeit das uͤbrige verrichten. Jn- zwiſchen bedarff ein Meiſter weder des einen, noch des andern, wenn er allein ſpie- let; und muß doch nicht ſtolpern, falls ihm nicht gepfiffen werden ſoll. §. 2. An den Orten dieſer Vorſchrift, wo die 6 ſo haͤuffig ſtehet, als wenns ihrer aller Sammel-Platz waͤre, kann man, inſonderheit bey zweigeſchwaͤntzten Noten, entweder mit der Sext allein, oder mit der Tertz zukommen: doch ſo, daß, wenn die Sext die geſchwinden Noten mit ſpielet, die Tertz nicht mangele, ſondern lie- ge; und im Gegentheil, wo die Tertzen mitlauffen, muß die Sext auch gegenwaͤr- tig in der Hand ſeyn. An welchen Orten aber die Sext ſo geſchwinde abwechſelt, und an welchen es die Tertz thun kann, ſolches will ich anmercken. §. 3. Jm andern und dritten Tact verrichten die Sexten das Werck, und bleibt das fis, als die Tertz zum d, dabey beliegen, welche dann zum cis eine Quart, und folglich nichts unangenehmes, ſondern was artiges wird. Jm neunten und zehn- ten Tact hingegen gibt ſich die Tertz mehr Muͤhe, und laͤßt die Sext ruhen, welche zum fis zwar uͤbel klingen wuͤrde, wenn es langſamere Noten waͤren; da ſie aber geſchwinde durchgehen, und zuletzt bey der Tertz alles aufhoͤret, ſo kann daruͤber den Ohren eben nichts widriges begegnen. Bey dem andern Fall macht indeſſen die lie- gende Sext zu den zwiſchen-ſpielenden Noten eine wolklingende Quint. §. 4. Wo der Satz mit einer Pauſe anfaͤngt, nemlich mit einem Achtel, da wird zu der darauf folgenden Note nichts, auch billig allhier nicht einmahl vorgeſchlagen; wiewol ich hievon den Anfang auſnehmen will, und rede nur von den Vorfaͤllen im 7. 8. 12. 19. 20. 21. 28. 29. 30. 31. 32. 41. 44. 45. 46. und 52ſten Tact. Nun faͤngt zwar an allen dieſen Stellen der Tact nicht juſt mit der Pauſe an, es hat aber eben die Urſach allda, daß zu der Note, welche auf die Pauſe folget, nichts muß geſchla- gen werden: weil ſie nemlich durchgehet, wenig ſonderliches zu bedeuten hat, und nur nur nach der Abreiſſung gleichſam an Statt eines Haackens dienet, wodurch eines an das andere gehaͤnget wird. §. 5. Jm funffzehnten Tact haben die Sexten wiederum die Schule, und liegen die Tertzen nur ſtille; Bey dem drey und zwantzigſten faͤllt mir eine Manier ein, die in der lincken Hand gar offt kann angebracht werden, um deſto mehr, weil uͤberhaupt ſonſt ein groſſer Mangel am manierlichen Spielen (als da ſind: gute ſcharffe Triller, Vorſchlaͤge, Accente dergleichen) bey dem General-Baß geſpuͤhret wird. Was ich hier verlange, betrifft den Sprung in die Tertz aufwaͤrts, allwo man mehrentheils einen ſtarcken Schleuffer machen, und dem hohen Ton dadurch eine ungemeine Staͤrcke geben kann. Es muß aber ſolcher Schleuffer nicht, wie et- wa bey dem Singen, gezogen, ſondern kurtz und etwas hefftig gemacht werden, ge- rade, als ob man die drey Finger zugleich hinſetzte, und nur einen nach den dem andern auffhuͤbe. Es laͤſſt ſich beſſer im Spielen zeigen, als beſchreiben. §. 6. Jm vier- und fuͤnff und dreiſſigſten Tact moͤgte jemand Wunder dencken, wo- her ſich die harten Bezieferungen ſchrieben; es iſt aber die Sexte und der Accord zu den folgenden Noten, welche nur voraus genommen werden. Den auſſerordentlichen Durchgang Tranſitum irregularem., oder die verwechſelten Noten Note cambiate. kann ein jeder hier leicht erkennen. Sie werden zwar manchem im Niederſchlage des Tacts etwas fremd vorkommen; aber ſo lange es in der hohen Schule der muſicaliſchen Compoſition p. 84. heiſſet: Auf den erſten Aufſchlag des Tacts die Note cambiate einzufuͤhren, iſt gar ſelten er- laubt: ſo lange will ich mir auch allhie das gar ſelten zu Nutzen machen, und glau- ben, es koͤnne dieſe Auſnahm, bey einer ſtarck-ruͤckenden Menſur, wol fuͤr Regel- maͤſſig mitgehen, wenn man ſich ihrer gar ſelten bedienet. §. 7. Kan einer im ein und viertzigſten Tact mit der rechten Hand ein paar Noten canonicè vorher ſpielen, und den Baß folgen laſſen, wird es nicht uͤbel ſtehen. Sonſt faͤllt wenig mehr zu mercken vor, das nicht mit dem, was bereits geſagt worden, eine Verwandtſchaft haͤtte. §. 8. Mſr. St. Lambert nennet dieſen Ton p. 29.F ut Fa Dièze mineur, und ſchrei- bet dabey: Rare. Fis mol iſt kuͤrtzer geſagt, und bey mir nichts rares. Zwan-