Der Ober-Classe zwantzigstes Prob-Stück. Erlaͤuterung. §. 1. WEr hier feſt ſpringen kan, der koͤmmt wol zu recht; ein anderer aber wird offt ſtraucheln, ſtolpern, oder unrechte Ton ergreiffen. Zum En- de des vierdten Tacts haͤtte man es gerne ein wenig gebrochen, und denn im fuͤnfften, ſechſten und ſiebenden auf dieſe Art: Solches wird ſich auch im funffzehnten, ſechzehnten und ſiebenzehnten Tact gar wohl ſchicken. §. 2. Am Ende des achten Tacts, zu den zwey Achteln, ſpielet die rechte Hand dieſe nebenſtehenden Noten, und alternirt damit im neunten, zehnten und elfften Tact nach Maßgebung des Baſſes; wie auch im achtzehnten und neunzehnten dieſelbe Paſſage wieder vorkoͤmmt; Wer aber im zwantzigſten und folgenden Menſuren nicht zu ſpaͤt erſcheinen will, der muß nicht lange ſaͤumen, ſondern die Finger galoppiren laſſen. §. 3. Da der andere Theil mit einem gewiſſen Harpeggio anfaͤnget, deutet ſolches allhie ſo viel an, daß die rechte Hand daher Gelegenheit ſuchen ſolle, es nachzuahmen. Solches kann auch ſofort im andern Tact geſchehen, etwa fol- gender Geſtalt:‚ Wobey nicht zu vergeſſen, daß die Baß-Noten mit Octaven einhergehen, und ſo dann dem Dinge eine Gravité geben koͤnnen. §. 4. Jm fuͤnfften und ſechſten Tact des andern Theils nimmt man die § 2 be- ſchriebene Abwechſelung wieder in acht, und will man im ſiebenden Tact die Paſſage Tertien-weiſe im Discant mitlaufen laſſen, fuͤllt ſolches beſſer aus, als die ſchlechten Griffe. So dann hat man im neunten, zehnten und elfften das obige Harpeggio abermahl anzubringen, zu den vier letzten Noten aber des elfften Tacts nur dieſes wenige zu ſchlagen: §. 5. Auch kann es nicht uͤbel klingen, wenn mit dem Ende der vierten Menſur die rechte Hand ihre Accorte und Griffe eben ſo bricht als der Baß die ſeine. Solches muß aber nur auf dieſe drey Viertel geſchehen: Daß die letzten Noten mit dem Baß Octaven nehmen, gechiehet expreſs, um das Subjectum, ſo daſelbſt wieder einfaͤllt, deſto deutlicher auszudruͤcken; da dieſel- ben Noten aber noch einmahl vorkommen, darff man ſie nicht auch noch einmahl mit Octaven, ſondern ordinair, wie das andre, ſpielen, damit abgewechſelt werde. §. 6. Gleich darauf kann, bey dem ſtillhaltenden Baß, die rechte Hand ſich hoͤren laſſen, nur mit einem gebrochenen Accort, und was ſonſten uͤberſteht. Zum Exempel: §. 7. Gleichergeſtalt leidet der achtzehende Tact gar wohl, daß die rechte Hand in der Harmonie mit der lincken auf eben vorbereitete Art producire. Bey dem anhebenden niedrigen Baß-Schluͤſſel aber wird nur einmahl zu vier Noten geſchla- gen, und wo der Baß durch Viertel geht dieſe Veraͤnderung im Diſcant gemacht: §. 8. Daß dieſer Ton in Franckreich was ſeltenes ſeyn muͤſſe, erſehe aus Mr. de St. Lambert seinem obangefuͤhrten Tractat vom General-Baß, da er p. 27. ſetzet: Le B Fa Si Beccarre (H) etant un Ton, ſur lequel on compoſe rarement, Wir haben Sachen mit Trompeten und Paucken aus dieſem Ton, das iſt zu ſagen: Cammer-Ton. Ich habe den ſonſt betruͤbten Choral: Ach bleib bey uns, HErr JEſu Chriſt, ꝛc. im verwichenen Jubilæo aus dem H Cammer-Ton geſetzet, und ihn mit Trompeten und Paucken Chor-Ton ſo accompagniret, daß es manchem ins Hertze gangen iſt. il n'a point de modulation qui lui ſoit particulierement affectée; s'il en avoit une ce ieroit la mineure. Jch ſage, er habe natuͤrlicher weiſe tertiam minorem, und ha- be die Gruͤnde von allen dieſen Sachen in der zweyten Eroͤffnung des Orch. Orchestre p. 486. ſchon gewieſen. Daß aber dieſer Ton gar nichts rares bey uns ſey, zeiget, nebſt un- zehlich andern taͤglich vorfallenden Exempeln, auch des Herrn Capellmeiſter Tele- manns III Sonata aus den zu Franckfurt gravirten Solis. §. 9. Ein Römer, mit Nahmen Giovanni Moſſi, ein Corelliner, der ſchon oben ein paar mal citiret worden, hat ohnlaͤngſt ein vortreffliches Werck von 12 Sona- ten à Violino ſolo herausgegeben, darinnen ſuche man die Sonata V aus dem H mol, und ſpiele ſie wohl, ich will Buͤrge ſeyn, ſie ſoll Vergnuͤgen bringen. Das Werck iſt zu Amsterdam, bey Jeanne Roger, in Kupffer geſtochen, und dem Cardinal von Schrottenbach dedicirt. C duro caret. Vid. dell Abaco Opera IV. Sonata XI. Ant. Vivaldi Opera V. Sonata XVI. Giacomo Sherard Opera I. Sonata XI. e Opera II. Sonata II. &c.