Der Ober-Classe einundzwantzigstes Prob-Stück. Erlaͤuterung. §. 1. WEil ohne denn der Ton etwas hart faͤllt, ſo habe dieſes Prob-Stuͤck mit ſonderlicher anderwaͤrtiger Schwierigkeit nicht beladen, ſondern nur ſo fein natuͤrlich herſetzen wollen, wie es mir eingefallen, damit niemand ſagen ſoll, man ſuchte die vor ſich (ſcil.) ſchweren Tone mit allerhand Kuͤnſteleyen noch verwirrter zu machen. §. 2. Dis wenige muß anmercken, daß dem Anfang ein beſonderer Zierrath zu- waͤchſt, wenn die Tertien Note vor Note mitſpielen, dabey aber die Signaturen nicht vergeſſen werden muͤſſen, und der Baß in Octaven einhergehen kan. Weiter, da ohne dem die Harmonie ſchon vollkommen in dem Harpeggio befindlich, ſo haͤtte gerne, daß man vom dritte biß ſechſten Tact nur die bloſſe Tertie oben im Diſcante Octavenweiſß ſpringen, und hernach eine kleine Pauſe folgen lieſſe, ſo wie die Figur weiter unten im Baß vorkoͤmmt. Mich deucht, ſolches macht mehr At- tention, als wenn man da immer und ewig mit lauter vollen Griffen auf einer Stelle weghackt. §. 53. Der ſiebende und achte Tact enthalten wieder den Anfang, und werden auch alſo mit Tertien abgefertiget; Beym neunten und folgenden hat nun die obenberuͤhrte Art abermahl statt, und gehet bloß mit Tertien, die in der Octave herunter fallen, nur ſo: im dreyzehnten Tact kehrt ſichs um, und muß die rechte Hand ſyncopiren. Bey §. 4. Bey Anhebung des andern Theils wird ſich nun einer beſcheiden, daß, da der Baß ſo continuirt, wie der erſte Theil geſchloſſen, auch mit der rechten Hand eben die Veraͤnderung zierlich koͤnne angebracht werden; nur iſt dar- auf zu ſehen, daß die Intervalla ſo weit von einander genommen werden als muͤglich, weil, wie ſchon mehrmahlen beruͤhret, die Tertien bey ſolcher Syncopation zu enge klingen; Doch hat Noth auch kein Gebot. Jch ſage nur, wenn es zu aͤndern ſteht. Als zum Exempel/ man kan zum h, im andern Theile, die Syncopation ſo machen: Es wirds mir niemand wehren. Daß es aber nicht beſſer ſolte ſeyn auf folgende Manier, wird niemand ſtreiten: §. 5. Beym fuͤnfften Tact des andern Theils hat der Baß wieder das obige Harpeggio, deßwegen mag auch die rechte Hand ihre Tertien abermahl dabey in die Octaven ſpringen laſſen. Jm ſiebenden giebt es eine Abwechſelung hier- innen. Jm neunten iſt das Anfangs-Subjectum angebracht, wobey die be- liebten Tertien ſich bey jeder Note hoͤren laſſen koͤnnen. Der elffte Tact erfor- dert die ſo offt erwehnte ſpringende Tertien, oder was ſonſten durch die Zahlen dabey angedeutet worden. Zum Uberfluß will ich meine Meynung noch ein- mahl herſetzen: Wenn §. 6. Wenn dieſes vorbey, ſo macht es die rechte Hand auf dieſselbe Art, wie der Schluß des erſten Theils iſt tractiret worden, und faͤllt weiter nichts zu er- klaͤhren vor. Wer aber aus dieſem Ton eine schoͤne Aria zu accompagniren Luſt hat, der ſuche ſelbige, unter andern, in Herrn Keiſers ſeiner Opera Fre- degunda. §. 7. Dieſer Ton heiſſet bey mehrerwehntem St. Lambert: B Fa Si Becarre, majeure, und ſteht dabey: (ich weiß nicht warum) rare. Wenn wir lauter Raritaͤten aus unſern Tonen machen wollen, ſo wundert mich nicht, warum die Armuth ſo groß iſt. Wenn in der Fiebel Z. E. beym Q. beym X. beym Y. und ſo weiter, auch beygeſetzet wuͤrde, es waͤren ſolches rare Buchſtaben, weil ſie nicht ſo oͤffters herhalten als das A und die uͤbrigen Vocales, ſo koͤnte doch ſolches den Leſebengel nicht entſchuldigen, wenn er ſie nicht kennen ſolte, noch viel weniger einen Buchdrucker, wenn ſie in ſeiner Officin nicht zugegen. §. 48. Wegen des Bedenckens, in Notirung dieſes Modi und dergleichen, habe ſchon p.57. & 89. etwas erwehnet. Hier ſtößt es wiederum auf; und zwar im fuͤnfften/ ſiebenden, neunten und funffzehntenGemeint ist vermutlich der 14. Takt. Tact des andern Theils. Dabey zu erinnern, daß ich gar wohl weiß, wie man ſich bey ſolchen Vorfaͤllen zweyer gleichen Creutze (♯♯) für einer Note zu bedienen pfleget, habe es auch oͤffters ſelbſt practiſiret; aber dabey befunden, daß in den meisten die hier gebrauchte Weise (ob gleich dadurch die Jntervalla in Wahrheit den Schein einer Unfoͤrmlichkeit be- kommen) dennoch deutlicher und leichter zu ſpielen gedaucht. Jch ſage: zu ſpielen. Denn zum Singen waͤre jene Art ſchon viel bequemer, woruͤber zum Beſchluß dieſes Werckes meine unvorgreiffliche Gedancken, verſprochener maſſen, mit mehrern eroͤffnen werde.