Johann Mattheson: Probstück 17 (Edition 1731). Ed. by Niels Pfeffer and Klaus Rettinghaus. In: Probstücke Digital, version 1.0.0. https://probstuecke-digital.de/ps17-002/.
Der Ober-Classe siebenzehntes Prob-Stück. Erlaͤuterung. §. 1. Da andere Tone zum Klagen, zum Lachen, zum Jauchzen, zur Andacht, und ſo ferner, gemacht zu ſeyn ſcheinen, ſo hat es faſt das Anſehen, als wenn dieſer insbeſondere zum Spielen und Schertzen geſchickt ſeyn wollte. Ein Violiniſte wird ihn gar gerne ſehen, und vieles finden, daß mit ſeinem Jnſtrument uͤbereinkoͤm̃t; und wer der Querfloͤte maͤchtig iſt, muß dieſe Ton-Art nicht wenig hochhalten, weil ſie einer der bequemſten iſt, derſelben ihre rechte Staͤrcke zu geben; ob aber ein Haut- bois oder Baſſon ſo wol damit zu frieden ſeyn werden, daran iſt zu zweiffeln. Jn- deſſen da es unſerm General-Baſſiſten einerley ſeyn muß, aus welchem Ton er ſpie- le, weil der eine Tangent keinen ſtaͤrckern Finger erfordert, als der andre, ſo wol- len wir dieſes Exempel vielmehr ein wenig durchgehen, als uns laͤnger bey des To- nes Eigenſchafft aufhalten. §. 2. §. 2. Die erſten zween Taͤcte nun ſaͤhe man gerne gantz ſchlecht geſpielet, ſo, daß der Haupt-Satz vernehmlich heraus kaͤme, zu Folge dem in der Natur und Vernunfft gegruͤndeten Ausſpruch: Daß aller Anfang einfach, ſchlecht und deutlich ſeyn muß. Durch das ſchlechte Spielen wird hauptſaͤchlich verlanget, daß zu jeden ſechs Noten in beſagten Taͤcten nur einmahl mit der rechten Hand vor- und zuge- ſchlagen werde, wobey erinnerlich ſeyn mag, daß der Vorſchlag die Pauſe angehet. §. 3. Die folgenden drey Taͤcte ſpielet man mit den Ziefern auf das genaueſte, und ſchlaͤgt bey jedem Achtel das Gehoͤrige an; wiewol ſich einer, im letzten Tact dieſer drey, vorzuſehen hat, daß er bey der nicht die ſonſt gewoͤhnliche Secunde mit er- greiffe: ſintemahl ſolches unmuͤglich ohne Schnitzer abgehen wuͤrde, ſondern er laſ- ſe an deren Statt die ſchon in der Hand habende Octave wieder hoͤren, ſo wird ſolcher Satz wegen der gantz fremd klingen. §. 4. Was ferner den ſechſten, ſiebenden, und die Helffte des achten Tacts betrifft, ſo kann man ſich ſchon dabey ein wenig mehr Freyheit nehmen, und ſolche nicht nur mit verdoppelter Octave in der lincken Hand ſpielen, ſondern auch in der rechten wol dreimahl zu je ſechs Noten das in Haͤnden habende oder bezeichnete anſchlagen. Der Reſt des achten, ſamt dem neunten Tact, haben ihre geweiſete Wege. §. 5. Der funffzehnte Tact gibt ſchon, wegen der ſchlechten Noten, Nachdencken und Anlaß, nach Belteben Belieben (nicht daß es eben ſeyn muß) den Haupt-Satz in der rech- ten Hand, mit eben den Noten womit der Anfang gemacht, zu ergreiffen; jedoch daß die lincke Hand, wie einmahl fuͤr allemahl geſagt, nicht vergeſſe, vollſtimmig dabey anzuſchlagen: damit, auch bey dem Alleinſpielen, die Eigeuſchafft Eigenſchafft des Ge- neral-Baͤſſes nicht ausgeſetzet, ſondern nur ausgezieret werde, wie deſſen oben an verſchiedenen Orten ſchon ſattſame Erinneruug Erinnerung geſchehen. §. 6. Bey dem elfften Tact kañ zwar die rechte Hand, wie ſie angefangen, mit Ter- tzen fortfahren, der Baß auch doppelt geſchlagen, doch muß nicht vergeſſen wer- den, daß man mit der rechten Hand, bey jeder erſten Note der ſechs zuſammen ge- zogenen, allemahl vollgreiffe. §. 7. Anlangend den zwoͤlfften, dreizehnten und vierzehnten Tact, ſo erhohlet man ſich ſich gleichſam dabey etwas weniges, und machet, nach Gefallen, was ſich ſchicken will, oder auch gar nichts, als was da ſtehet. Bey dem funffzehnten und ſechszehn- ten Tact aber wird einer ſchon ſehen, daß die rechte Hand wieder zu thun haben kann, nur duͤrffte es am Anfange liegen, welcher nach einer Sechszehntheil-Pauſe mit der vom d gemacht werden muß: alsdann das uͤbrige von ſelbſten, nach Maßgebung des Haupt-Satzes, in Tertzen mit dem Baß folget, deſſen Schlaͤge doch alle voll- ſtimmig ſeyn muͤſſen, und iſt ſonſt, biß zum Schluß des erſten Theils, nichts ſonder- lichs mehr zu eriñern, auſſer dieſem, daß man die dreigeſchwaͤntzte Noten in der rech- ten Hand auch Tertzen-Weiſe mitlauffen laſſen mag. §. 8. Daß nun der andere Theil einen neuen Haupt-Satz anzufangen ſcheinet, ſol- ches geſchiehet aus Liebe zur Abwechſelung, und darff man nur jeder Note ihren ge- hoͤrigen Schlag geben, auch den Baß dabey ſo ſtarck, als es ſeyn kan, angreiffen, welches ſonderlich auf dem Cis, u. auf andern chromatiſchen Klaͤngen, gute Wirckung thut. Die ſechs hinauflauffende Noten im andern, it. die ſechs heruntergehende im vierten und fuͤnfften Tact, wolle man von dem oͤfftern Zuſchlagen ausnehmen, und vernehmlich Octaven-Weiſe hoͤren laſſen; ſodann ergreifft der Baß wieder den erſten Haupt Satz, und verfaͤhret damit nach obiger Anleitung. §. 9. Jm neunten Tact dieſes andern Theils gehet es wieder ſtarck uͤbers gantze Cla- vier zu jeder Note her; bey der letzten Helffte aber kann die rechte Hand eine, dem Haupt-Satz gleichende, beſaͤnfftigende Manier anbringen, die einem Studieren- den und Nachdenckenden die Natur des Ganges ſelbſt zeigen wird: und damit hat es, bis zum Ende des dreizehnten Tacts, ſeine Richtigkeit, allwo der erſte Satz wieder- um vorkoͤmmt, faſt wie er im ſechſten und folgenden Taͤcten des erſten Theils gewe- ſen iſt, weßhalben man auch nur das oberwehnte zu Rathe ziehen, und der gemach- ten Anmerckung genau folgen darff. §. 10. Noch iſt bey der letzten Helffte des ſechszehnten Tacts ein kleiner Einfall mit der rechten Hand, auf eben dem Schlage, wie im zehnten Tact des erſten Theils geſchehen, anzubringen; es muß aber auch das uͤbrige dabey erforderte bis im acht- zehnten Tact wol in acht genommen, und kan ſodann, nur wie alles ſtehet, ferner ge- endiget werden: wobey ſich jedoch niemand die zuletzt erſcheinende 9. 7. 2. wolle irren laſſen, weil es Griffe ſind, die juſt vorhergegangen, und durch die 6⃥/4 wieder fromm und gut werden. Acht-