Probstück 11 · Edition 1731
Der Ober-Classe elftes Prob-Stück. Erlaͤuterung. §. 1. WJe wird dem Herrn Organiſten zu Muthe? Es ſiehet hier ein wenig bunt wieder aus; hat aber ſo viel nicht zu ſagen, als man wol meynet. Das Ding laͤſt ſich halten, wenn mans nur erſt recht uͤberſiehet; es faͤllt ja alles ſo ſchoͤn in die Hand, daß es eine Luſt iſt. Nur friſch daran; wer wagt, der gewinnt; um eine Probe iſt es zu thun. Der Ton iſt ja bekannt, der Tact drey Viertel, die Schluͤſſel nichts als Baß, Tenor und Alt; warum ſolte man ſich dafuͤr fuͤrchten? Wiewol ich erinnere mich, der Herr ſpielt nicht gern nach gedruckten Noten; Noten; es iſt wahr, man iſt es nicht gewohnt; das Papier ſcheinet auch etwas durchzuſchlagen; er nehme es mit nach Hauſe, und laſſe es rein abſchreiben, das Ding verdient es wol; es hat einer gemacht, von dem der Herr gehoͤret, er koͤnne oder wolle auch ja componiren; Morgen kommen wir wieder zuſammen. §. 2. Alſo ungefehr wuͤrde ich, oder ein andrer, mit einem unmuſicaliſchen Organi- ſten reden muͤſſen; einem andern ehrlichen Mann aber koͤnnte zur Nachricht dienen, daß man gerne ſaͤhe, wenn beide Haͤnde Tertzen- auch wol bißweilen, wo es die Har- monie erfordert, Quarten-Weiſe mit einander zu gleicher Zeit, die drey erſten Taͤcte ſpielten, da ſich denn dabey von ſelbſten aͤuſſern wird, wo ein 6 oder 6/4 mit zu greiffen. Unſer Abſehen vom vierten biß ſechſten Tact gienge auch wol unmaßgeblich dahin, daß die Accorde und uͤberſtehende Zieffern bloß in der lincken Hand blieben, die rechte aber ein wenig dazu modulirte, etwa folgender geſtalt: So auch im er- ſten und andern, Item im 18. 19. und 20ſten Tact des andern Theils. §. 3. Der ſiebende, achte und neunte Tact haben ihre geweiſete Wege; der zehnte, elffte und zwoͤlffte aber richten ſich nach dem Anfang: es ſind auch eben dieſelbe No- ten. Biß zu Ende des erſten Theils iſt ſonſt weiter nichts zu erinnern, als daß der achtzehnte und neunzehnte Tact mit ſchlechten Schlaͤgen, ohne den geringſten Zierrath, geſpielet werden. Jm dritten, vierten und fuͤnfften Tact des andern Theils gehet es wieder auff die zuerſt-beſchriebene Weiſe, mit beiden Haͤnden, durch gebrochene Accorde und Harmonien; ein paar Taͤcte will ich doch auch davon herſetzen, woraus das uͤbrige, nach Maßgebung des Baſſes, ferner zu beur- theilen ſeyn wird. Dieſes faͤnget vom dritten Tact des andern Theils an. §. 4. §. 4. Der zehnte Tact des letzten Theils will in der rechten Hand mit der Sext und Quinte ein ſolches Brechen haben, als die lincke im vorhergehenden gefuͤhret hat. Jm zwoͤlfften findet es abermahl Statt. Jm dreizehenten und vierzehen- ten auch; doch alſo: Welche Brechung allerdings eine der leichteſten iſt, die gefunden werden mag. §. 5. Man ſiehet nun ſolcher Geſtalt wol, daß im fuͤnff und zwantzigſten und ſechs und zwantzigſten Tact es eben auch ſo angehet, und daß im neun und zwantzigſten wieder- um die erſte Art vorfaͤllt. Vom vier und dreyſſigſten aber biß an den acht und dreyſſigſten kann die rechte Hand gar manierlich moduliren, indem die lincke alle Ziefern abfertiget; und das moͤgte ohngefehr ſo angehen: Jnzwiſchen ſoll dieſes alles niemand ſo wol zur Vorſchrifft, als zur Aufmunterung und zum Exempel dienen, damit es noch immer beſſer und wolklingender heraus- komme. Zwoͤlff-